Singer-Songwriter

Wolfgang Frank

...oder einer der auszog, um sein Ding zu machen

Von Udo Lindenberg gibt es die Textzeile ‚Mach dein Ding, egal was die anderen sagen‘. Der Sänger- und Songwriter Wolfgang Frank hat diesen Satz verinnerlicht... Über einen der vor Jahren auszog, seither sein Ding macht und der Weg das Ziel ist.

Wolfgang Frank kommt aus Bludenz in Vorarlberg. Doch das tut eigentlich nichts zur Sache denn der Mann könnte genauso aus Birmingham, Jackson Mississippi oder Bari in Italien stammen. ‚Mein Heimathafen ist Bludenz‘, sagt er, doch in Wahrheit ist er dort zuhause, wo er gerade den Gitarrenkoffer aufklappt und in die Saiten greift. Wolfgang lebt für und von Musik. ‚Das geht sich gut aus‘, sagt er und man glaubt ihm das aufs Wort. Vor allem ist es der Nachsatz, der die eigentliche Bedeutung hat: ‚Das macht mich glücklich, dass ich davon leben kann, Musik zu machen‘.

Musikmachen heißt in seinem Fall, nahezu täglich auf einer Bühne zu stehen. Kleine Besetzung. Wolfgang mit Gitarre, der Rhythmus kommt vom linken Fuß und der Stompbox. Unplugged Apres Ski in den angesagten Schigebieten des Kontinents in seiner reinsten Form. Kein Halli Galli oder ‚wo sind die Hände‘. Vielmehr schöpft er aus rund 300 Songs und das Publikum für das er spielt, ist in der Mehrzahl englischsprachig. Songs sind es, Lieder aus der Geschichte der Popularmusik, dem Folk, da und dort ein Abstecher zum modern Country. Da darf man nicht herum-nölen, muss wissen was man tut, sonst nehmen dich die Native Speaker nicht ernst und das kann sehr schnell sehr peinlich werden.

Das Publikum hört zu und Wünsche werden zwar von Wolfgang entgegengenommen, aber wenn er den Song nicht mag, dann spielt er ihn auch nicht. ‚Sorry, aber ich bin keine Juke- Box‘, sagt er dann und lächelt dabei. Das entwaffnet, denn die Menschen die ihm zuhören, spüren dabei dieses Feuer der Leidenschaft, dass er bei seinem Tun entfacht und dass das nicht bei jedem beliebigen Song funktioniert.

Immer wieder streut er eigene Lieder ins Programm und die wirken dabei alles andere als Fremdkörper, denn die Kunst des Wolfgang Frank ist, alle Covers und Standards die er spielt, in seiner eigenen Art zu interpretieren. Alles, die Lieder, die Gitarre, die Stimme, alles wird dabei zu Wolfgang der One-Man-Show. Er sitzt, singt, spielt und versinkt im Tun. Das mögen Menschen, sie hören ihm gerne zu. Schon damals, vor mehr als 20 Jahren, wie er mit seinem Gitarrenkoffer durch die Welt zog, auf der Straße spielte. In Bars ebenso wie auf der Wiese im Park. Nichts Ungewöhnliches für Singer-Songwriter. Ob einst Woody Guthrie, der Boss oder John Cougar Mellencamp. Sie alle sind diesen Weg gegangen und mit jedem Jahr das verging, wurde die Straße breiter, das Publikum mehr und die Nächte mussten nicht mehr so oft im Schlafsack verbracht werden.

Seine Kreativität ist es, aus der er die Energie schöpft. Komponieren ist seine große Stärke. Intuitiv scheinen die Songs aus ihm zu fließen. Gewonnene Fachmedienpreise und Wettbewerbe haben zusätzlich die Motivation befeuert. Reichen Kraft und Leidenschaft um das viele Jahre durchzuziehen, aus dem Wanderjahren auch Lehrjahre zu machen, dann kommt vielleicht jener Moment, der einiges entscheidet. Bei Wolfgang Frank war das ein Auftritt in der Schweiz. Vor zwei Jahren. Jemand kam, fand das was und wie er es tat gut, fand noch besser wie die Leute im Publikum auf Wolfgang Frank reagierten und ein Jahr darauf, 2017, sollte der Wolfgang vor 20.000 stehen und sein Ding machen. Nur er, mit seiner Gitarre, seinen Liedern und nach ihm sollte der Volks Rock’n’Roller auftreten. Hartes Brot, dachte der Wolfgang und ging raus, schlug die ersten Akkorde an und siehe da, niemand jagte ihm von der Bühne, niemand drehte sich um, wandte ihm den Rücken zu und schrie nach Andi.

Wolfgang Frank ist heute Ende Vierzig. Er hat viel erlebt, sich seinen Job hart erarbeitet. Sein letztes Album trägt den Titel ‚Reise in die Ewigkeit‘ und wurde in Berlin von Matze Roska produziert. Schöne Gitarren, klare Songs, streift da und dort beim Country an ohne auf Cowboy zu machen. Erwachsenen-Musik. Formatradiotauglich? Nur zum Teil, aber darauf kommt es nicht an. Klar wäre es schön, wenn Radioredakteure einsteigen würden... aber ‚Alleinstellungsmerkmal‘ heißt auch, dass man nicht so ist wie die anderen. Und alles was es brauchte war Zeit um auf sich aufmerksam zu machen. Es interessierte auch niemanden, dass Wolfgang bis vor kurzem alles selbst finanziert hat, den Weg ging, wie er im internationalen Musikgeschäft üblich ist: Ohne Risiko geht gar nix! Bei ihm ging all sein Geld in die Album-Produktion. Geld, das er nach einem Unfall von der Versicherung überwiesen bekam. ‚He gives blood for the job‘, sagen die Amis dann gerne – und das ist durchaus als Kompliment gemeint und blieb nicht unbeobachtet.

Zur Zeit arbeitet Wolfgang mit Marco Adami im Colosseum Sound Factory Studio in Rankweil und hat mit ihm den Produzenten, Musiker, Wegbegleiter und Freund gefunden, der an ihn und seine Songs glaubt.

Heute hat er ein professionelles Team zur Seite. Booker. Manager. Menschen die ihn zu 100 Prozent unterstützen . Die Geschichte des Wolfgang Frank ist somit noch lange nicht zu Ende. Jetzt wird die breite Öffentlichkeit auf den Musiker aufmerksam. Im Sommer 2018 und 2019 kam die ganz große Nummer: Olympia Stadion München. Wieder er und die Gitarre. Aus den 20.000 sind dann 70.000 geworden und hinter der Bühne der Andreas Gabalier, der auf einen gestandenen Opener bauen kann.

Wolfgang ist nun Corona bedingt mehr im Studio als auf der Bühne und arbeitet mit internationalen Musikern an einer neuen Produktion,....die Jobs in den angesagten Schigebieten Europas werden diese Saison leider ausfallen – aber es wird trotzdem fleißig geprobt – die Zeit steht nicht still ..und lächelt dabei...

Mir geht’s gut. Ich gehe meinen Weg und bin positiv gestimmt. 2021 wird sicher wieder ein geiles Jahr‘, sagt er und dann kommt wieder ein Nachsatz: ‚Ich brauche nichts zu beweisen. Ich mach mein Ding und es ist schön, wenn mir Menschen dabei zuhören. Darauf kommt es an und wenn ich weiter davon leben kann, dann ist das perfekt‘.

Udo Lindenberg würde dazu wahrscheinlich freundlich-bestätigend seinen Hut heben und ein ‚egal was die anderen sagen‘ dazu nuscheln...

 

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